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Blasenentleerungsstörungen

Wie funktioniert die Blasenentleerung?
Wie kann es zu einer Blasenentleerungsstörung kommen?
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

 


Wie funktioniert die Blasenentleerung?


Ein Erwachsener scheidet pro Tag durchschnittlich 1 – 2 l Harn aus. Dabei greifen willkürliche und unwillkürliche Körperfunktionen ineinander. Die Blasenentleerung wird über Nervenimpulse aus dem Rückenmark gesteuert und läuft überwiegend reflektorisch ab.

Die Muskelschicht der Harnblase besteht aus glatter Muskulatur, die in ihrer Gesamtheit als Musculus detrusor (auch: Detrusor) bezeichnet wird und u.a. mit für die Blasenentleerung verantwortlich ist. Der Detrusor bildet zusammen mit Muskeln des Beckenbodens und der Harnröhre das Verschlusssystem der Harnblase.

Blasenentleerungsstörung - Blase Frau, gefüllt

© Isabel Christensen - Medical Art Service 

Blasenentleerungsstörung - Blase Mann, gefüllt
© Isabel Christensen - Medical Art Service 

Normalerweise geben Rezeptoren in der gesunden Blasenwand bei einer Blasenfüllung von etwa 250 ml Informationen über die Dehnung der Harnblase an den Hirnstamm weiter. Von dort gelangt die Information in das Großhirn und macht damit den Füllungszustand der Harnblase bewusst. Ein vom vegetativen Nervensystem gesteuerter Hemmmechanismus verhindert, dass sich die Harnblasenmuskulatur zusammenzieht und es zu einer vorzeitigen Blasenentleerung kommt.

Wenn dann das Großhirn eine entsprechende Information an das Blasenzentrum im Rückenmark sendet kommt es zur Blasenentleerung. Der Reflex zur Blasenentleerung wird freigegeben. Nervenimpulse aus dem Blasenzentrum lösen ein Zusammenziehen der Blasenmuskulatur aus und der innere Blasenschließmuskel öffnet sich. Wird auch der äußere Schließmuskel willkürlich geöffnet, kann der Urin aus der Harnblase entleert werden.

Blasenentleerungsstörung - Blase Frau, Entleerung
© Isabel Christensen - Medical Art Service 

Blasenentleerungsstörung - Blase Mann, Entleerung

© Isabel Christensen - Medical Art Service



Wie kann es zu einer Blasenentleerungsstörung kommen?


Am häufigsten finden sich Blasenentleerungsstörungen nach ausgedehnten Operationen im Beckenbereich, nach der Geburt oder bei Erkrankungen des Nervensystems wie z. B. Multipler Sklerose oder Parkinson-Krankheit. Ebenso werden Blasenentleerungsprobleme im Zusammenhang mit bestimmten Nervenleiden als Folge einer langjährigen Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) beobachtet. Bis zu 50 % der Diabetiker leiden an einer solchen Blasenentleerungsstörung, die auch als diabetische Zystopathie bezeichnet wird. Diese Patienten verlieren im Laufe der Zeit das Gefühl für den Füllungsgrad ihrer Harnblase. Zudem nimmt die Funktionsfähigkeit des Detrusor-Muskels ab, der wichtig für eine ausreichende Blasenentleerung ist. In der Folge kommt es zu einer unvollständigen Blasenentleerung und es verbleiben größere Harnmengen in der Blase (Restharn). Wenn die Harnblase dauerhaft nur unvollständig gelehrt wird, kann dieses Problem chronisch werden und Folgeschäden wie häufige Harnsweginfekte bis zur Schädigung der Nieren nach sich ziehen. Gerade Diabetiker sollten deshalb rechtzeitig auf diese Blasenprobleme hin untersucht werden.

Aber auch bestimmte Medikamente wie z. B. Antidepressiva (Medikamente gegen Depressionen) können eine Blasenentleerungsstörung hervorrufen.

Ferner kann eine Blasenentleerungsstörung angeboren sein oder als Folge einer Muskellähmung auftreten, z. B. bei Kinderlähmung (Poliomyelitis). Der Vollständigkeit halber sei noch die durch eine Prostatavergrößerung hervorgerufene Blasenentleerungsstörung genannt.

 


Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?


Die Behandlung von Blasenentleerungsstörungen ist von der zu Grunde liegenden Ursache abhängig. Akute Störungen, zum Beispiel nach einer Operation oder einer Geburt, sind hinsichtlich der vollständigen Wiederherstellung der Blasenfunktion im Allgemeinen besser zu behandeln als chronisch verlaufende Erkrankungen.

Ihr Urologe wird sorgfältige, abklärende Untersuchungen durchführen, um die richtige Behandlung einzuleiten und in Abhängigkeit davon, einen entsprechenden Therapievorschlag unterbreiten. Zur Behandlung bestimmter Blasenentleerungsstörungen stehen Arzneimittel zum Einnehmen in Tablettenform zur Verfügung.