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Induratio penis plastica (Ipp) / Penisverkrümmung

Wie kommt es zu einer Penisverkrümmung?
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?


Historischer Rückblick

François de la Peyronie, französischer Chirurg und Leibarzt König Ludwig des XIV., beschrieb 1743 erstmals die »Induration des corps caverneux«, die aus diesem Grunde nach ihrem Erstbeschreiber „Maladie de la Peyronie" oder im angloamerikanischen Schrifttum auch "Peyronie's Disease" genannt wird.

Francois dela Peyronie, französischer Chirurg

Ungeachtet dessen finden sich in der Literatur vielerlei Synonyme für die Ipp, die sich aus der Unkenntnis der eigentlichen Ursachen zur damaligen Zeit entwickelt haben.


Skurrile Therapien

So führte dann auch die Unklarheit über die Ursachen zu den skurrilsten Therapieversuchen wie Schwefelbädern, Kuren mit Jod, Arsen und Quecksilber, Injektionen verschiedenster Substanzen und auch einem absoluten Geschlechtsverkehrs-Verbot.

Skurrile Therapien

 


Wie kommt es zu einer Penisverkrümmung?

Bei der Induratio penis plastica handelt es sich um eine meist chronisch verlaufende Erkrankung mit überschießender Fibrosierung (=Bildung von Narbengewebe) im Bereich der Schwellkörper des Penis. Obgleich die Krankheit bereits 1743 beschrieben worden ist, sind ihre eigentlichen Ursachen bis zum heutigen Tage ungeklärt.

Eine Theorie geht davon aus, dass wiederholte, unbemerkte Mikroverletzungen der Schwellkörper der Ausgangspunkt einer überschießenden Bildung von Narbengewebe sind. Darüber hinaus werden bei einem Teil der betroffenen Männer immunologische und erblich bedingte Faktoren sowie eine Störung des Kollagenstoffwechsels diskutiert.

 

Keine seltene Erkrankung

Lange Zeit wurde die Ipp als eine seltene urologische Erkrankung angesehen. Bei einer Umfrage in Köln und Umgebung wurde die Häufigkeit der Ipp anhand eines geprüften Fragebogens ermittelt. In der untersuchten Grundgesamtheit von 4.423 Männern im mittleren Alter von 57,4 Jahren wurden 142 Fälle von Ipp registriert. Dies entspricht einer Häufigkeit von 3,2 %. Wie die folgende Tabelle zeigt, nimmt die Häufigkeit der Ipp mit zunehmendem Alter ebenfalls zu.

Grafik Induratio penis plastica nach Altersstufen
Andere Untersuchungen gehen sogar von Häufigkeitsraten bis zu 9 % aus.

 

Diabetiker sind besonders betroffen

Ob es einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Diabetes und der Ipp gibt, ist, wie so vieles bei dieser Erkrankung, derzeit noch unklar. Bei Diabetikern tritt eine Ipp allerdings deutlich häufiger auf. In der wissenschaftlichen Literatur wird von Häufigkeiten zwischen 8 und 18 % berichtet. Außerdem nimmt die Krankheit vielfach einen deutlich schwereren Verlauf als bei Nicht-Diabetikern. Noch stärker betroffen sind Diabetiker, die zusätzlich noch eine erektile Dysfunktion (Erektionsstörung) haben.

Die Ipp wurde wegen dieses häufigen Auftretens auch als eine „stille Konsequenz" des Diabetes mellitus bezeichnet. Männliche Diabetiker, insbesondere mit länger bestehendem Diabetes mellitus, sollten daher gezielt auch auf Anzeichen einer IPP untersucht werden.

Bei 20 - 30 % der betroffenen Männer kommt es neben der Induratio penis plastica auch zu Fibrosierungen der Fingersehnenscheiden der Handinnenflächen, teilweise mit sogenannten Beugekontrakturen und Bewegungseinschränkungen der Finger, genannt „Morbus Dupuytren“.

Am häufigsten tritt die Erkrankung zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auf.

Der Krankheitsverlauf ist meist chronisch, teilweise auch schubweise. Oftmals bemerkt der Patient zuerst eine Knotenbildung am Penisschaft, welche zum größten Teil nur bei der Erektion Schmerzen verursacht. Dieser Fibroseknoten (Plaque) kann im Falle einer Chronifizierung der Erkrankung verkalken.

Plaquebildung und Penisknickung

Außerdem kann es zu sanduhrförmigen Einschnürungen des Penis und zu einer ungenügenden Versteifung der Schwellkörperanteile jenseits der Verbiegung kommen. Sowohl die Verbiegung als auch die oft gleichzeitig nachlassende Erektionsfähigkeit führen zu entsprechenden Schwierigkeiten beim Geschlechtsverkehr. Bei ca. 30 % der erkrankten Patienten ist die Induratio penis plastica deshalb mit Erektionsstörungen verbunden.

 

Diagnostik

Zunächst wird der Arzt nach Verletzungen des Penis beim Geschlechtsverkehr und Schmerzhaftigkeit der Erektion fragen. Entscheidend sind zudem die Lokalisation der verhärteten Schwellung im Penis und die Penisverkrümmung. Durch das Abtasten des gestreckten Penis ist die Lage der Plaques gut zu beurteilen.

Eine weitere Untersuchungstechnik ist der Ultraschall des Penis. Verkalkungen der Plaques sind durch einen Schallschatten darstellbar. Die Ausdehnung der Verkalkungen entscheidet mit darüber, auf welche Therapie der Patient am besten ansprechen wird. Zur Überprüfung der Penisabknickung können verschiedene Substanzen, wie z. B. Prostaglandin oder Alprostadil, in den Penis injiziert werden. Wird diese Untersuchung gleichzeitig mit einer sog. Farbdoppler-Ultraschall-Untersuchung durchgeführt, können Steifigkeit, der Abknickungswinkel, eine Penisverformung wie Sanduhrphänomene und eine begleitende erektile Dysfunktion erkannt werden. Vom Patienten zu Hause angefertigte Fotografien des erigierten Penis sollten in drei Perspektiven (von oben, von der Seite und von vorne) dargestellt werden.

Ob die Durchführung einer Untersuchung des Penis mittels Magnetresonanztomografie (MRT) eine Verbesserung der diagnostischen Treffsicherheit bringt und ob darüber hinaus entzündliche Areale im Plaque besser darstellbar sind, ist umstritten.

 

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?


Therapeutische Vielfalt

Aufgrund der ungeklärten Ursachen und Entwicklung der Ipp bestimmt eine therapeutische Vielfalt die Behandlung des Morbus Peyronie: Medikamente, die eingenommen oder am Ort der Wirkung (lokal) eingesetzt werden, sowie verschiedene operative Verfahren stehen zur Verfügung. Allgemeinen Empfehlungen zufolge scheint es angebracht, die Palette der nicht-operativen ("konservativen") Therapieverfahren auszuschöpfen und dabei auch die Möglichkeit einer spontanen Rückbildung der Penisverkrümmung, die in bis zu einem Viertel der Betroffenen gesehen wurde, zu berücksichtigen.

 

Konservative Therapieverfahren

Orale Therapie

Verschiedenste Präparate zur peroralen Behandlung stehen zur Verfügung, aber nur Kalium-4-Aminobenzoat wurde vom BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) als orale medikamentöse Therapie zur Verminderung des Fortschreitens der Penisabknickung zugelassen.

 Substanz  Effekt in kontrollierter,
 doppel-blinder Studie
 Zulassung (BfArM)
 Kalium-4-Aminobenzoat  ja  ja
 Tamoxifen  nein  nein
 Colchicin  nein  nein
 Vitamin E  nein  nein
 Carnitin  nein  nein
 Pentoxifillin  ja  nein

 

Intraläsionale Therapie

Bei dieser Behandlungsform werden Medikamente direkt in das betroffene Penisgewebe injiziert. Auch für eine intraläsionale Therapie wurden verschiedene Wirkstoffe untersucht. 

 Substanz  Effekt in kontrollierter,
 doppel-blinder Studie
 Verapamil  nein
 Interferon alpha
 ja (nicht doppel-blind)
 Kollagenase  nein
 Kortison
 nein


Da eine der Theorien über die Ursachen der Ipp davon ausgeht, dass kleinste Verletzungen der Schwellkörper für die Erkrankung ursächlich sind, kann man die Sinnhaftigkeit dieser Behandlungsform in Frage stellen. Denn gerade durch eine Injektion werden kleinste Verletzungen im Penisgewebe hervorgerufen.

 

Iontophorese

Eine verbesserte Verabreichung der lokal anwendbaren Medikamente verspricht die lontophorese, ein Verfahren, das mit Hilfe eines elektromagnetischen Spannungsfeldes eine transdermale Gewebepenetration (ein Durchdringen des Gewebes durch die Haut) ermöglicht. Die am häufigsten verwendeten Medikamente sind Verapamil, Dexamethason und Lidocain. Der Stellenwert der Iontophorese in der Behandlung der Ipp gilt als ungeklärt.

 

Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT)

Die ESWT ist ein Therapieverfahren, das bislang in keiner Studie eine Verbesserung einer Penisabknickung zeigte.


Chirurgische Therapie

Sollte die medikamentöse Therapie zu keinem befriedigenden Ergebnis führen und die Induratio penis plastica in einer bleibenden, den Geschlechtsverkehr beeinträchtigenden Penisverbiegung resultieren, kann letztere durch eine plastische Penisoperation beseitigt werden.

Die operative Therapie der Ipp sollte also nur in Betracht gezogen werden, wenn konservative Maßnahmen ausgeschöpft sind und die Erkrankung sich in einer stabilen Phase befindet. Der Einsatz operativer Verfahren beschränkt sich im Wesentlichen auf die Penisabknickung, wenn sie den Geschlechtsverkehr behindert oder unmöglich macht. Weiter sind sie angebracht bei einer erektilen Dysfunktion (Erektionsstörung), die nicht medikamentös behandelbar ist, oder bei Erektionsproblemen, die durch die Plaques selbst (z. B. sanduhrförmige Einschnürungen) hervorgerufen werden. Auch der dauerhafte Erektionsschmerz, der als Spannungsschmerz angesehen werden muss, kann einen operativen Eingriff erfordern.

Als operative Verfahren stehen heute verschiedene Methoden bis hin zur Implantation von Penisprothesen zur Verfügung. Welches Verfahren angewendet wird, hängt vom Befund, selbstverständlich unter Berücksichtigung des Patientenwunsches, ab. Die folgenden Bilder zeigen einen Penis mit starker Abknickung vor, während und nach einer Operation.*

Operation Induratio Penis Plastica Operation Induratio Penis Plastica Operation Induratio Penis Plastica Operation Induratio Penis Plastica
Operation Induratio Penis Plastica Operation Induratio Penis Plastica

*Die Bilder der IPP-Operation wurden uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt von: Herrn Prof. Dr. Sven Lahme, Chefarzt der Klinik für Urologie, Siloah St. Trudpert Klinikum, Pforzheim